Warum sich neue Formen der Psychotherapie an der philosophischen Praxis orientieren

Die traditionelle Psychotherapie war in Verruf gekommen, sprich die Psychoanalyse und Verhaltenstherapie. Kritik wurde in ihren eigenen Reihen laut. Schließlich ließen sich prinzipielle Schwächen sowie Risiken aus dem eigenen Strukturaufbau und Selbstverständnis der Psychotherapie herleiten. Anhand der folgenden 7 Punkte werden einige der wichtigsten Strukturschwächen und Gründe für die hohe Rückfälligkeitsquote psychotherapeutischer Behandlungen skizziert.

7 Gründe, die gegen das klassische Modell der Psychotherapie sprechen

  1. Da auf Grund von Symptomen objektivierbare Diagnosen gestellt werden, kommt es zu einem eindeutig hierarchischen Ungleichgewicht in der Psychiater – Klient –Beziehung. Einfach gesagt, ist die Meinung des Patienten für den Heilungsprozess irrelevant.
  2. Durch die Situation des Geständnisses, nimmt sich der Patient als krank und gestört wahr. Anders formuliert, der Patient wird in die Rolle des Kranken gedrängt, weil er vom Psychotherapeuten dahingehend katalogisiert wird.
  3. Die Krankheitskatalogisierung mit ihren jeweiligen Symptombeschreibungen läuft Gefahr das Individuum auf die Symptome eines Krankheitsbildes zu reduzieren. So wird nicht die ganze Person als vielmehr ein typischer Krankheitsfall in den Blick genommen.
  4. Das Ausgangsparadigma der Psychotherapie lautet, dass der Patient krank ist, weil er im gesellschaftlichen Rahmen nicht funktioniert. Entsprechend fokussiert sich der Psychotherapeut auf die gesellschaftliche Eingliederung des Patienten. Infolgedessen werden soziale wie auch kulturelle Strukturkontexte ausgeklammert. Da der Psychotherapeut scheinbar allein die Antwort kennt, kommt es zur Abhängigkeit und Negation systemischer Zusammenhänge.
  5. Die Kritik-Immunisierung des Psychotherapeuten führt zur geistigen Entmündung und Verunsicherung der eigenen Gedanken. Demnach sind alle Reflexionen des Patienten zu entkräftigen, damit er allein den Anweisungen des Therapeuten folgt.
  6. Die Psychotherapie hält fest an ihrer Schulmethode, wonach sie das einizge Verfahren kennt, um einen Patienten zu heilen. Das bedeutet, die Ursache eines Schadens nicht in der Psychotherapie selbst zu sehen, sondern in ihrer falsch Anwendung. Ist die Methode der Psychotherapie wirklich über solche Fehler erhaben? Bedeutet sie wirklich eine sichere Anleitung zur Heilung? Liegt es wirklich nur daran, dass jemand sich nicht an die Anleitung hält?
  7. Die Überzeugung, man müsse einfach einer Anleitung folgen, lässt keinen Raum für Abweichungen oder Unterschiede. Müsste dann nicht jeder geheilt sein, auch wenn einige nicht dieser Ansicht sind? Es ist schlicht falsch anzunehmen, dass es für alle Individiuen eine allgemeine Gebrauchsanweisung geben würde.

Die moderne Psychotherapie als Annäherung an die Philosophie

Im Zuge dieser Kritikpunkte entwickelten sich innerhalb der Psychologie und Psychotherapie neue Therapieformen wie die sytemische Beratung, Indiviualpsychologie oder kognitive Verhaltenstherapie. Im Unterschied zur klassischen Psychotherapie werden Ansätze von Offenheit, Toleranz, Subjektivität, Relativität und individueller Freiheit berücksichtigt. Etwas, das bereits in der antiken Philosophie verhaftet ist, weil die Ursache wie Lösung menschlicher Probleme in der Fähigkeit zur Reflexion entdeckt wurde. So verstand man das eigene Philosophieren als Übung zur Seelensorge. Daran orientieren sich neue Therapien erneut, wenn das Indiviuum als Ganzes in einem steten Kontext mit seiner eigenen Lebenswelt vorgestellt wird. Methoden, Ansätze und Praktiken leben innerhalb moderner Psychotherapie auf, die schon seit Sokrates als Hilfestellung für die rechte Lebenskunst angesehen wurden und heute in der philosophischen Praxis stattfinden.

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Jul 5, 23:13