Macht eine Philosophische Lebens- und Managementberatung Sinn?

Zu Unrecht mag man meinen, Philosophie sei rein theoretisch und weltfremd. Bloßes Gerede ohne einen praktischen Bezug. Wie kann Philosophie im eigenen praktischen Leben helfen? Und doch beschreibt Philosophie nicht mehr als die Fähigkeit des Menschen durch seine Vernunft das Leben selbst zu gestalten. Dem trägt heute der Gedanke einer professionellen „philosophischen Praxis“, die erstmals 1982 in Deutschland von Gerd Achenbach realisiert wurde, Rechnung.

Philosophische Beratung als Hilfe zur Selbsthilfe bei Sokrates

„Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ sind die Auftaktworte der Aufklärungsschrift (1784) Kants. Mit diesen Worten gibt Kant den Grundgedanken sokratischer Philosophie wieder. Sokrates verstand sich als Geburtshelfer von wahren Erkenntnissen, die allein durch das selbständige Denken zutage treten. (Platon: Theaitetos 149-151d) In seiner Anleitung und Unterstützung zum eigenen Denken sah Sokrates die rechte Hilfe zur Selbsthilfe. Nicht ohne Grund wird Sokrates als erster psychologischer Berater angesehen, insoweit er jedem Rat bei allen Angelegenheiten des Lebens schenkte. Dabei handelte es sich nicht um dogmatische Ratschläge als vielmehr um Hilfestellung dabei, sich schädlicher und belastender Strukturen bewusst zu sein und zu entledigen. In Seneca, Epikur, Marc Aurel etc. sehen wir die Nachfolger philosophischer Ratgeber.

Philosophische Beratung in der Praxis

Eine philosophische Beratung, die sich durch den gemeinsamen Dialog auszeichnet, ist nicht formal durch eine vorgeschriebene Methodik auszuweisen. Aus diesem Grund variiert das Angebot philosophischer Beratung abhängig vom philosophischen Grundverständnis und Entwicklung des jeweiligen Philosophen. Das gilt für jede Form der Beratung, weil hier eine zwischenmenschliche Ebene wichtig für Vertrauen ist. Ungeachtet der persönlichen Beziehung bietet eine Beratung, wenn sie philosophisch ist, eine offene, ganzheitliche Kommunikation mit sich. Das Individuum wird wie in der systemischen Therapie vorurteilsfrei als einzigartige Person in ihrer Gesamtheit wahrgenommen. Darüber hinaus fördert der philosophische Dialog geistige Ressourcen wie die kognitive Psychotherapie, um unreflektierte Handlungs- oder Denkgewohnheiten zu identifizieren.

Warum Philosophie sinnvolle Hilfe im Bereich Lebens- und Managementberatung sein kann

Schon die Vorsokratiker und Sophisten beschäftigten sich mit der Frage nach dem menschlichen Sein_ und Erkenntnisvermögen. Angesichts der Krisen sannen die antiken Denker über die Erziehung und Bildung des Menschen. Zu philosophieren hieß, mit anderen sich austauschen, einen gesellschaftlichen Raum für existenzielle Lebensfragen zu schaffen. Mit Fragen nach der Selbsterkenntnis, -bestimmung und -verwirklichung beschäftigt sich die Philosophie nun seit mehr als zwei tausend Jahren. In vielen Briefen und Zeugnissen suchten die antiken Philosophen durch philosophische Reflexionen – wie zum Beispiel Platon – die Geschicke der Gesellschaft wie des eigenen Lebens zu beeinflussen. Management bedeutet im Grunde nichts anderes als die Sorge um sich selbst, um das eigene Leben und um die eigene Außenwelt. Philosophieren in der Praxis bedeutet, sinnvoll und bewusst leben zu lernen.

Nov 8, 00:12