Der sokratische Dialog

Der sokratische Dialog als feststehender Terminus geht auf Leonard Nelson sowie dessen Schüler Gustav Heckmann und Detlev Horster zurück. Im Wesentlichen ging es ihnen darum, das Besondere philosophischer Gesprächsführung methodisch zu erfassen und auf Gruppen zu übertragen. Der sokratische Dialog findet daher vielseitige Anwendung in Beratung und Psychotherapie. Von Bedeutung ist die Methode sokratischer Gesprächsführung für die klientenzentrierte, emotiv-rationale und kognitive (Verhaltens-) Therapie (Vgl. Rückert, 1983/Ellis, 1997; Chessick,1982; Beck, 1976). Der sokratische Dialog kommt aber auch in der Erwachsenenbildung und Persönlichkeitsentwicklung vermehrt zum Einsatz. Wie die Bezeichnung nahelegt, geht der sokratische Dialog auf den antiken Philosophen Sokrates zurück, der den mündlichen Dialog zu seinen Mitmenschen suchte.

Sokrates und der sokratische Dialog

Schriftliche Aufzeichnungen hinterließ Sokrates selbst nicht, sah er darin die Illusion, Wissen könne ohne eigene Anstrengung und ohne eigenes Nachdenken angelesen werden. Schließlich war es seine Überzeugung, dass Wissen nur aus einem selbst zu schöpfen ist. (Phaidros 275a, d/1957)
Sokrates Art und Weise zu philosophieren vollzog sich im Dialog mit seinen Mitmenschen, davon zeugen die überlieferten Dialoge seines Schülers Platon. In diesen ist Sokrates auf dem Marktplatz, bei den Wechslertischen und im Gymnasion philosophierend vorzufinden Mit seiner hartnäckigen „Was ist das“ Frage regt Sokrates als naiv Fragender den Gesprächspartner zu eigener kritischer Reflexion an, um selbst eigene Werte und Lebensziele zu formulieren.

Der klassische sokratische Dialog als philosophische Lehrmethode

Der Dialog mit sich oder einem anderen bedeutete für Sokrates, Dinge zu hinterfragen und dadurch zugrundeliegende Wahrheiten wieder zu entdecken. Das konkrete Problem bildet dabei Ausgangspunkt des klassischen sokratischen Dialogs, weil daraus implizite Denk- und Handlungsmuster ableitbar sind. Sokrates bemühte sich pragmatisch, die Menschen durch die Erkenntnis eigener unbewusster Denk- und Handlungsmuster zum eigenverantwortlichen Denken und Handeln anzuregen. In Sokrates Philosophieren findet sich die vorurteilsfreie philosophische Gesprächsführung. Es ist die Rede von der Methode des “klassischen sokratischen Dialogs”, weil sie auf einen Dialog mit zwei Gesprächsteilnehmern beschränkt bleibt.

Zur Philosophie des Sokrates

Ein Verständnis der Grundzüge der Philosophie Sokrates erklärt, weshalb und wozu die Methode des klassischen sokratischen Dialogs entwickelt wurde.
Der Mensch wird nach Sokrates durch die Art seiner eigenen Denkweise maßgeblich in seinem Wesen und Charakter beeinflusst. Das sei darauf zurückzuführen, dass es eine absolut objektive Wahrheit nicht gebe. Es bedeutet, dass die Wahrheit des eigenen Lebens vom eigenen Denken abhängig ist. So ist etwa eine Statue nicht absolut schön, wenn ein Einzelner nichts Schönes an ihr findet. Genauso wird eine Person sich anders als eine andere verhalten, wenn sie z.B. “Berühmtheit” als oberstes Ziel im Leben ansieht. Je nach eigener Denkweise verändert sich die Einstellung sowie das eigene Verhalten, die Wesen und Charakter einer Person ausmachen.

Der lebenspraktische Bezug sokratischer Philosophie

Folglich ist es das eigene Denken, das zu eigenen Werten und Präferenzen führt. Und diese wiederum bestimmen das eigene Verhalten. Indem es möglich ist zu erkennen, welche Werte das Ergebnis von Prägung und Außenwelt sind, können wir diese bewusst hinterfragen. Wenn Sokrates behauptet, dass er nichts weiß, dann zielt er auf die Erkenntnis, dass jeder Mensch nur eine relative, eine für sich gültige Wahrheit zu erkennen fähig ist. Damit ist es an einen selbst, die eigenen Wertvorstellungen zu prüfen und eigenständig zu bewerten. Auf diese Weise ermöglicht der sokratische Dialog, sein Leben nach Maßgabe eigener Überlegungen und Überzeugungen selbst zu gestalten.

Das sokratische Gespräch als Weg zum glücklichen Leben?

Die Konsequenz, die Sokrates aus der subjektiven Wahrheit zieht, ist in ihr die Offenheit eigener Selbstverwirklichung zu begreifen. Die Methode sokratischer Gesprächsführung ist in Beratung und Therapie von großer Bedeutung, soweit es um Hilfe zur Selbsthilfe geht. Schließlich unterstützt der sokratische Dialog, eigenständig Probleme zu lösen. Es bedeutet,zu erkennen, ob man mit den eigenen Werten und Lebenszielen im Widerspruch oder im Einklang befindet. Erst durch die eigenständige Reflexion können zielführende Wege und Mittel bewusst werden. Gemäß Sokrates ist eine Erkenntnis handlungsmotivierend, wenn sie durch eigene Reflexion mühsam erarbeitet wurde. Insofern der “??sokratische Dialog??” hilft, eigene Erkenntnisse auszubilden, können innere Konflikte selbständig und nachhaltig aufgelöst werden. Das Ziel des klassischen sokratischen Gesprächs ist damit wahre Selbsterkenntnis, da diese zu eigener Selbstverwirklichung bzw. einem guten Leben befähigt. (vgl. H. Stavemann 2007)

Zur Methode des klassischen sokratischen Dialogs

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Aug 19, 03:24